Start    <<  <  1/9  >  >>
Einführung

oder: Schade, dass die Erde keine Scheibe ist.

Nehmen Sie doch einfach mal Ihrem Sohn den Fußball weg und zeichnen Sie die Umrisse der Kontinente auf das Leder. Danach wird versucht, den Ball so aufzuschneiden, dass er sich glatt auf dem Tisch ausbreiten lässt und eine Weltkarte bildet.

Ganz abgesehen von den Protesten Ihres Kindes - es wird Ihnen nicht gelingen!

Damit ist kurz (und zugegeben: recht simpel) ein Problem beschrieben, mit dem sich Geografen und Mathematiker weltweit schon seit vielen hundert Jahren herumschlagen: Die Darstellung der (dreidimensionalen) Erde in einem zweidimensionalen Koordinatensystem, die sogenannten Kartenprojektionen.

Nachdem man sich (teilweise zähneknirschend) geeinigt hatte, dass die Erde wohl doch keine Scheibe auf den Rücken von Elefanten sei, war man zunächst noch guter Dinge:

- Mit einer Kugel ließ sich leben. -

Man kannte ja alle möglichen Formeln zur Berechnung auf Kugeln und es wurde eine Fülle an Vorschlägen gemacht, wie die Erde am besten auf Landkarten darzustellen wäre.
Spätestens aber, als man feststellen musste, dass es sich leider auch nicht um eine geometrisch korrekte Kugel, sondern eher um ein Ellipsoid handelt, ging der Ärger richtig los.

Man musste daran gehen, die bisher genutzten Formeln zu verfeinern. Nun hatte aber zumindest jede bedeutendere Seefahrernation bereits ihren großen Gelehrten hervorgebracht und dessen Abbildungsmethoden eingeführt.
So begann man also in den meisten Ländern, am jeweils landestypischen Projektionsverfahren herumzutüfteln (natürlich nicht ohne es als das weltweit einzig vernünftige zu betrachten) und die Chance zur Vereinheitlichung verstrich erneut.
Man bemerkte übrigens recht bald, dass auch ein Ellipsoid die tatsächliche Form der Erde nur sehr unzureichend beschreibt und nutzte diese Erkenntnis, um immer neue, - jeweils nur lokal gültige -, sogenannte Kartendatums (ja, die Mz. heißt hier "Datums"...) samt dazu passender Erd-Ellipsoide festzulegen.
Allein an Letzteren sind meines Wissens bis heute noch an die 30 in Gebrauch.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann man in Gestalt der "Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik" (IUGG) eine weltweite Einigung anzustreben. So wurde zunächst versucht ein einheitliches Ellipsoid einzuführen. Das geschah 1924 mit dem "Hayford International" (nach J. F. Hayford 1909).
1967 wurde das erste "World Geodetic System" (WGS) vorgeschlagen, endlich ein weltweit einsetzbares Kartendatum, später das bis heute gültige WGS 84.
In diesem Zusammenhang wurde auch ein (fast) überall einheitliches Projektionsverfahren eingeführt, die UTM-Koordinaten.

Langsam scheinen sich erfreulicherweise beide Errungenschaften durchzusetzen und die Begriffe werden uns in den folgenden Kapiteln noch öfter über den Weg laufen.
Trotz aller Bemühungen lautet aber der bisherige Stand der Dinge:
So gut wie in jedem Land kursiert umfangreiches Karten- und Datenmaterial in den landestypischen Projektionsverfahren und derer gibt es oft sogar mehrere (...natürlich auch bei uns in Deutschland).

Im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung, die das Erstellen, Auswerten und Visualisieren dreidimensionaler Modelle ermöglichen würde, sind einfache 2D-Kartenwerke noch lange nicht vom Tisch. Im Gegenteil, in fast allen gängigen GIS-Softwaresystemen wird hauptsächlich mit zweidimensionalen Daten gearbeitet.

Daher verfolgen uns die beschriebenen Probleme in Form der unterschiedlichsten Koordinatensysteme bis heute.
Für Deutschland gilt beispielsweise:

  • Es ist keinesfalls selbstverständlich, für alle Regionen Geodaten im UTM/WGS_84 - System zu erhalten.
  • Natürlich wurde in der ehemaligen DDR unter anderem ein System vom großen sozialistischen Bruder verwendet.
  • Zieht man dann noch ältere Kartenwerke hinzu, besteht eine gute Chance, dass man in einem Projekt in vier bis fünf Koordinatensystemen arbeiten "darf".

Manchmal glaubt man zu verstehen, warum man früher verbrannt wurde, für die Behauptung:

- Die Erde ist keine Scheibe... -

Start    <<  <  1/9  >  >>